Schnelles Denken, langsames Denken: Was UX Design von Kahnemans Theorien lernen kann
- 5. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Aug. 2025

Daniel Kahnemans Buch Schnelles Denken, langsames Denken ist eine bahnbrechende Untersuchung der menschlichen Kognition. Es beschreibt zwei Denksysteme: System 1, das intuitiv und schnell arbeitet, und System 2, das langsam, überlegt und ressourcenintensiv ist. Diese Konzepte sind nicht nur für die Psychologie relevant, sondern auch für UX-Design. Denn gutes Design unterstützt die Stärken von System 1 und entlastet System 2.
,,System 1" und intuitive Nutzerführung
System 1 ist impulsiv, schnell und automatisiert. Es ist dafür verantwortlich, dass wir rote Ampeln erkennen, Gesichter wiedererkennen oder einfache Muster verstehen. Im UX-Design bedeutet das: Nutzer:innen sollten nicht gezwungen sein, über jede Interaktion nachzudenken. Eine gut gestaltete Benutzeroberfläche nutzt vertraute Muster, klare Hierarchien und konsistente visuelle Hinweise, sodass System 1 effizient arbeiten kann.
Beispiele für System-1-freundliches UX-Design:
Bekannte Muster: Eine Shopping-App mit einem Einkaufswagen-Icon oben rechts erleichtert schnelles Verstehen.
Visuelle Hierarchie: Große Buttons mit eindeutigen Call-to-Action-Texten reduzieren Verwirrung.
Automatische Vorschläge: Autovervollständigung in Suchfeldern hilft, ohne kognitive Belastung das gewünschte Ziel zu erreichen.
System 2 und kognitive Entlastung
System 2 benötigt viel Energie und wird aktiv, wenn Nutzer:innen komplexe Entscheidungen treffen oder sich durch unbekannte Interfaces kämpfen. UX-Design sollte System 2 entlasten, indem es die Notwendigkeit für bewusstes Nachdenken minimiert und klare Entscheidungsstrukturen bietet.
Beispiele für kognitive Entlastung:
Progressive Offenlegung: Anstatt alle Informationen auf einmal anzuzeigen, können Inhalte schrittweise präsentiert werden.
Nudging: Kleine Anstöße, die das gewünschte Verhalten unterstützen, wie z. B. das Hervorheben der beliebtesten Produktoptionen.
Fehlertoleranz: „Undo“-Funktionen reduzieren die Angst vor Fehlern und entlasten System 2.
Das Zusammenspiel: Friction vs. Flow
Ein effektives UX-Design schafft ein Gleichgewicht zwischen System 1 und System 2. Während intuitive Interfaces das schnelle Denken erleichtern, gibt es Situationen, in denen eine bewusste Verlangsamung notwendig ist. Zum Beispiel:
Sicherheitsrelevante Entscheidungen: Bestätigungsdialoge für kritische Aktionen aktivieren System 2, um bewusste Entscheidungen zu fördern.
Wichtige Vertragsbedingungen: Lange Nutzungsbedingungen werden oft übersprungen – durch Hervorhebungen und Zusammenfassungen wird sichergestellt, dass Nutzer:innen die wichtigsten Aspekte erfassen.
Fazit: UX-Design mit Kahneman im Kopf
Ein großartiges UX-Design berücksichtigt die Art und Weise, wie Menschen denken. Es erleichtert das schnelle, intuitive Handeln von System 1 und unterstützt System 2 nur dort, wo es notwendig ist. Designer:innen sollten sich fragen: Wo können sie Nutzer:innen entlasten, indem sie System 1 stärken? Und wo müssen sie Friktion bewusst einsetzen, um bessere Entscheidungen zu ermöglichen?
Indem UX-Designer:innen Kahnemans Prinzipien anwenden, schaffen sie Interfaces, die nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch kognitiv optimiert sind – für eine nutzerfreundlichere digitale Welt.


